ResteFerwertung liest Kriegskochbücher 1914-1918
Nose to tail und leaf to root sind Schlagworte der modernen Küche im 21. Jahrhundert. Auch vor 100 Jahren aß man Brennesseln und Schweinsohren. Aber nicht Experimentierfreude oder Nachhaltigkeit bewegten die Menschen, sondern die Not.
Im Ersten Weltkrieg folgten auf die anfängliche Kriegsbegeisterung der Deutschen Ernüchterung und Hunger. Die Lebensmittel wurden knapp. Kriegskochbücher schossen wie Pilze aus dem Boden und wollten Hausfrauen schulen, mit den wenigen verfügbaren Lebensmitteln sättigende und schmackhafte Speisen zuzubereiten. Sparsamkeit war ein Thema der Kriegskochbücher, eine weiteres Innovation: In Oberbayern begann man die ungeliebten Kartoffeln zu essen, Brennesseln galten nicht mehr als Unkraut und Muscheln dienten als Eiweißlieferant auch im Binnenland. Jenseits aller praktischen Tipps waren die Kriegskochbücher aber immer auch ein Mittel Kriegspropaganda zu verbreiten.
Aus heutiger Sicht sind die Kriegskochbücher des Ersten Weltkriegs Kulturzeugen. Sie belegen den Wandel von Essgewohnheiten, regionale Unterschiede in der Küche und wie Propaganda mit dem Kochbuch betrieben wird. In loser Folge wird ResteFerwertung hier deutschsprachige Kriegskochbücher portraitieren. Im Verlag Königshausen & Neumann erscheint 2018 ein Publikation mit dem Titel Kochen im Ersten Weltkrieg. Drei Kriegskochbücher aus Bayern.
Das Projekt Kulturgeschichte mit Kochbüchern erzählen wird weitergeschrieben.